Minderheiten im Kaukasus: Dialog, Vertrauen und eine starke Zivilgesellschaft sind Gold wert

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Auf Einladung der FUEN und als Angebot des Haus der Minderheiten fanden am 15.12. im Rahmen des Projekts „Minderheiten im Kaukasus – Dialog für eine stabile Zukunft“ interessante Diskussionen in der Akademie Sankelmark über die Herausforderungen der Minderheiten des Kaukasus und das Minderheitenmodell des deutsch-dänischen Grenzlandes als ein mögliches Vorbild statt.

In seiner Begrüßung wies FUEN Präsident Loránt Vincze darauf hin, dass die Konflikte im Kaukasus im Westen nicht ausreichend und umfassend genug wahrgenommen werden und dieses Projekt daher den Minderheiten im Kaukasus die Möglichkeit gibt, die Situation aus ihrer Sicht zu schildern und zu erklären, mit welchen Herausforderungen sie zu kämpfen haben. Herr Vincze lud dazu ein, sowohl Fakten als auch Gefühle auf den Tisch zu legen und einen offenen Dialog zu initiieren, um somit zukünftige Ziele anzusprechen.

Der zweite Seminartag begann mit einer Einführung in die Geschichte der deutsch-dänischen Grenzregion durch JEV-Präsidentin Britta Tästensen. Daran anschließend referierte Zora Popova vom ECMI (European Centre for Minority Issues) über die Entwicklung des deutsch-dänischen Grenzmodels und betonte die Wichtigkeit von der Zusammenarbeit auf politischer, ökonomischer, kultureller aber auch auf Bildungsebene. Im Hinblick auf die Frage, welche Aspekte des deutsch-dänischen Grenzmodells für die Minderheiten im Kaukasus übertragbar sein könnten, hob Popova  den hohen Stellenwert von Vertrauen und Dialog zwischen Mehr-und Minderheiten, den Fokus auf verbindende Gemeinsamkeiten und die Ermächtigung der Zivilgesellschaft zur Handlungsfähigkeit als Schlüssel zum Erfolg hervor. In einer anschließenden Diskussion erhielten die Teilnehmer die Möglichkeit, die Situation ihrer Minderheiten zu diskutieren und sich über die Übertragbarkeit des Deutsch-Dänischen Grenzmodells auszutauschen.

Die erste Dialogsitzung begann mit einem Impulsreferat von FUEN Vizepräsident Gösta Toft, in dem er am Beispiel der deutschen Minderheit in Dänemark Wege der gesellschaftlichen Partizipation aufzeigte, die in darauffolgenden Gesprächen unter Leitung des FUEN Ehrenpräsidenten Hans Heinrich Hansen erörtert wurden. Es wurde unterstrichen, dass um das Ziel der Anti-Diskriminierung und der Entwicklung einer handlungsfähigen Minderheitenpolitik zu erreichen, nicht nur ein guter Wille von Nöten ist, sondern auch ein Dialog geschaffen werden muss, der mit den Minderheiten auf Augenhöhe mit der Mehrheit geführt wird und nicht  von politischen Parteien über Minderheiten. Es wurde hier auch betont, dass eine stabile Zusammenarbeit zwischen Mehrheit und Mehrheit sowie Mehrheit und Minderheit nötig ist, aber auch zwischen Minderheit und Minderheit.

Die zweite Dialogsitzung zum Thema „Erlernen der Minderheitensprachen und Organisation der Bildungssysteme“ wurde mit einem Impulsreferat von Anke C. Tästensen, Schulleiterin der Deutschen Schulen in Rapstedt und Osterhoist und Mitglied in einer Arbeitsgruppe des Instituts für Minderheitenpädagogik, eröffnet. Anke Tästensen präsentierte die Struktur und Funktionsweise des Deutschen Schul- und Sprachvereins für Nordschleswig, welcher eine Vielzahl von Kindergärten, Schulen und Freizeiteinrichtungen im dänischen Grenzland umfasst.  FUEN Vizepräsidentin Olga Martens moderierte die Diskussion, in der auch Herausforderungen wie Lehrkräftemangel angesprochen, aber auch Ideen für die Implementierung von Teilaspekten des Nordschleswiger Schulmodels entwickelt worden sind.

In der letzten Sitzungsrunde des Tages wurden aktuelle Schwerpunkte und Herausforderungen der Minderheiten des Kaukasus sowie die FUEN Resolution der FLNKA (Föderele Lezghin National und Kulturelle Autonomie) besprochen, die auf dem FUEN Kongress 2016 in Breslau zur weiteren Diskussion zurückgestellt und nicht verabschiedet worden war.

Der zweite Tag des Kaukasus-Projektes ging mit einem kaukasischen Kulturabend im Kontor des Haus der Minderheiten zu Ende, an dem die Teilnehmer die Möglichkeit erhielten, ihre Minderheiten und Traditionen vorzustellen und sich über die Eindrücke des Tages auszutauschen.

 

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