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Fachkräfteabwanderung und die Mobilität von Arbeitskräften im generelllen waren Themen des Forums der Regionen in Potsdam

Arbeitsmigration an sich ist etwas durchaus positives, jedoch sehen sich viele Regionen angesichts der erhöhten Fachkräfteabwanderung mit der Herausforderung konfrontiert, Bedingungen zu schaffen, die die jungen hoch qualifizierten Arbeitskräfte wieder in ihre Heimatregionen zurückkehren lassen, um von ihren Erfahrungen und ihrem Wissen zu profitieren.Vom 11. bis 12. Dezember 2019 diskutierten Experten, politische Entscheidungsträger der Regionen und Minderheitengemeinschaften auf dem FUEN Forum der Europäischen Minderheitenregionen in Potsdam, wie Minderheitenregionen den Auswirkungen von Arbeitsmigration und Fachkräfteabwanderung begegnen können.

Das Forum im brandenburgischen Landtag wurde von Barbara Richstein, Vizepräsidentin des Landtags, begrüßt. "Es ist uns eine große Ehre, Gastgeber des Forum der Regionen und damit der FUEN, einer internationalen Minderheitsorganisation mit ausgezeichnetem Ruf, sein zu dürfen. Das Thema der Konferenz, die Abwanderungqualifizierter junger Menschen, ist uns bekannt, da wir uns auch mit dieser Situation nach dem Fall der Berliner Mauer auseinandersetzen mussten", sagte sie. Frau Richstein fügte hinzu, dass sie einen Vorteil darin sehen, dass die Sorben und Wenden in der Lausitz ihre Nationalität und Kultur bewahrt haben, und das Land Brandenburg unterstütze diesen Prozess durch Rechtsakte.

LorántVincze, Präsident der FUEN und Mitglied des Europäischen Parlaments, dankte dem brandenburgischen Landtag und der Landesregierung. Er stellte fest, dass die Abwanderung junger, hochqualifizierter Arbeitskräfte und die Arbeitsmigration im Allgemeinen zusätzliche, sehr schwerwiegende Auswirkungen auf die Minderheitengemeinschaften haben, da das politische Gewicht einer Minderheitengemeinschaft direkt mit ihrer Größe verbunden ist, so dass der Verlust der jungen, qualifizierten Mitglieder der Gemeinschaft schwerwiegende Folgen für ihr politisches Repräsentationskapital in der Zukunft hat. Es macht die Gemeinschaften auch anfälliger, schwächer und stattet sie mit weniger internen Ressourcen für Aufschwung und Entwicklung aus. Er stellte auch einige statistische Daten vor: Im Jahr 2018 gab es fast 17 Millionen Menschen, die innerhalb der EU ausgewandert sind. Deutschland (33%) und das Vereinigte Königreich (20%) haben mehr als die Hälfte dieser Migrantenaufgenommen, während dabei die wichtigsten Herkunftsländer Rumänien, Polen, Italien und Portugal sind.

David Statnik, Vorsitzender der Domowina - Bund Lausitzer Sorben, sprach über die Bedeutung der ländlichen Entwicklung: "Die Logik sagt, dass es sinnvoller ist, eine Autobahn in der Nähe Berlins zu bauen als eine Landstraße bei Cottbus, weil mehr Menschen sie nutzen werden. Aber in Wirklichkeit ist es sinnvoll, Landstraßen zu bauen, da sie der Weg zurück nach Hause sind." Staatssekretär Tobias Dünow, Beauftragter des brandenburgischen Ministerpräsidenten für die Lausitz Klaus Freytag sowie die Abgeordneten Kathrin Dannenberg und Péter Vida begrüßten die Teilnehmenden ebenfalls.

Die Fachkräfteabwanderung bei Jugendlichen besonders nach Deutschland und Österreich ist die einzig große Gefahr für die deutschsprachige Gemeinschaft Südtirols. In der ersten Podiumsdiskussion ging hervor, dass sich viele Minderheitengemeinden mit ähnlichen Problemen konfrontiert. In Südtirol und ganz Italienist der erfolgreichste Weg, diesen Prozess umzukehren, ein Umsiedlungsprogramm, das langfristige Steuersenkungen ermöglicht, aber auch Mobilität, schnelles Internet und ein gutes Kinderbetreuungssystem sind gute Motivationen. In Sachsen sind kleine, partizipative Gemeinschaftsprojekte am effektivsten, und die Hochschulbildung zahlt sich nicht nur für junge Menschen aus, sondern auch für Unternehmen, die in die Region ziehen, um qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Die University ofTrinity Saint David in Wales organisiert Berufsausbildungen für Schüler im Alter von 16-18 Jahren, da sie erkannt haben, dass die Fachkräfteabwanderungbereits die unter 18-jährigen miteinschließt. In Rumänien hat die Entwicklung des ungarischsprachigen Hochschulsystems die Abwanderung junger Menschen an ungarische Universitäten aufgehalten und gezeigt, dass die Migration mit geeigneten Maßnahmen und durch die Schaffung besserer Möglichkeiten besser gesteuert werden kann.

Die Transformation in eine ökologisch und ökonomisch nachhaltige Wirtschaft ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Dabei besteht die Gefahr eines Wirtschaftsabschwungs und erhöhterArbeitslosigkeit. Zugleich ist es jedoch auch die Chance auf einWirtschaftswachstum.Im zweiten Panel des Forums der Europäischen Minderheitenregion wurden innovative Ansätze aus Irland vorgestellt, wo ÚdarásnaGaeltachta, eine Organisation, die sich auf die wirtschaftliche Entwicklung der kleinen, isolierten Gemeinden konzentriert, in denen die irische Sprache noch gesprochen wird, die Grundlagen für einen maritimen Innovationspark mit Investitionen von Universitäten und Unternehmen legte. Der Generaldirektor für Auswärtige Beziehungen der Regierung von Navarra sprach über die Bedeutung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und erklärte, dass Grenzregionen ihr BIP um 2% steigern würden, wenn nur 20% der bestehenden Hindernisse beseitigt würden. Die Lausitz hat viele Programme zur Unterstützung der Umsiedlung, aber die geringe Sichtbarkeit ist ein echtes Problem. Für sie besteht die Herausforderung darin, mehr Transparenz für das, was sie zu bieten haben, zu gewinnen. Andererseits kann die Zugehörigkeit zu einer Minderheit gleichzeitig Segen und Fluch sein, wie es sich bei den Deutschen in Ungarn zeigt: Viele deutsche Unternehmen investieren in Ungarn und suchen deutschsprachige Mitarbeiter, gleichzeitig ziehen viele der ungarischen Deutschen nach Deutschland, Österreich oder Südtirol.

Grenzpendler tragen zum Wohlstand der Grenzregionen bei und fördern den grenzüberschreitenden Handel. Das Pendeln hält auch die Europäische Union zusammen und fördert Integration und Einheit, aber die Staaten unterscheiden sich in ihrer Vorgehensweise. Die Panelisten des ersten Panels des zweiten Tages präsentierten die Situation in ihrer Heimat. In der deutsch-dänischen Grenzregion ist das Pendeln häufiger als die Migration, da täglich 15.000 Menschen die Grenze überschreiten, um im anderen Land zu arbeiten. Die schwedischsprachige Bevölkerung in Finnland macht 35% der finnischen Bürger aus, die nach Schweden ziehen, und auch das Pendeln ist trotz der geografischen Hindernisse bei ihnen sehr verbreitet. Es wurde darauf hingewiesen, dass das Pendeln gefördert werden muss, da es viel besser ist, als die Bürger durch Migration zu verlieren.

Bei der slowenischen Minderheit in Österreich erfolge das Pendeln in beide Richtungen. Dabei handelt es sich jedoch um ein relativ neues Phänomen. Auch Österreich kommt Pendlern nicht wirklich entgegen. Aus Italien kommt ein gutes Beispiel für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, dort bewerben sich zwei Städtebeidseits der Grenzegemeinsam um den Titel Kulturhauptstadt Europas für das Jahr 2025. Die ungarische Minderheit in der Slowakei lebt an der Grenze zu Ungarn, aber das Pendeln sei nicht einfach, da die Donau im wirtschaftlich besser aufgestellten westlichen Teil eine natürliche Barriere zum im Osten gelegenen Ungarn bilde, wo die wirtschaftliche Situation allgemein im Vergleich nicht so gut aussehe und Arbeitsplätze fehlen.

Wie können wir junge Menschen davon überzeugen in ihre Heimat zurückzukehren? Das letzte Panel des Forums der Minderheitenregionen befasste sich mit den persönlichen Erfahrungen von Mitgliedern der sorbischen und räto-romanischen Minderheiten. Im Zentrum stand mit der Frage, wie die Wirtschaft die Politik übernehmen und Sprachkenntnisse wertvoll machen kann,wie es in Oppeln, der Heimat der deutschen Minderheit in Polen, der Fall ist. Außerdem wurde diskutiert, wie das kulturelle Erbe zu einer Anziehungskraft werden kann - wie im Falle Kalabriens in Italien, sowie die Bedeutung, Nischen zu finden und diese für die Entwicklung der Gesellschaft zu nutzen.

In seinen Schlussworten wies FUEN Vizepräsident Bahne Bahnsen darauf hin, dass die Fachkräfteabwanderung ein globales Problem sei, mit dem z.B. auch New York zu kämpfen habe. Die Präsentationen haben gezeigt, dass dies eine gewaltige Herausforderung ist, aber es wurden auch erfolgreiche Wege vorgestellt, um die Rückkehr durch Politik, grenzüberschreitende Zusammenarbeit und zivilen Aktivismus zu fördern, sagte er. Er wies darauf hin, dass sich die Europäische Union mit der Migration von ländlichen in städtische Gebiete befassen müsse, indem sie die Regionen mit europäischen Strukturprogrammen in dieser Hinsicht unterstütze.

Die Langversion der Pressemitteilung kann hier heruntergeladen werden.

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