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Sprechen Sie Corona? Viele positive Beispiele in der Gemeinschaft der Lausitzer Sorben machen es unmöglich, nur ein einziges hervorzuheben

Foto: So sah es bei der 1. öffentlichen Domowina-Veranstaltung nach Lockerung der Corona-Maßnahmen aus. Fotos: Domowina.

"Die Situation ändert sich derzeit fast von Tag zu Tag, deshalb sind wir flexibel. Wir hatten bereits im März alle Veranstaltungen bis Ostern abgesagt, noch bevor es ein entsprechendes staatliches Verbot gab. Auch weil Menschen aus „Risikogruppen“ signalisierten, dass sie sich nicht mehr an der Gremienarbeit beteiligen können. Genauso konsequent sind wir dann die Wiederbelebung des sorbischen öffentlichen Lebens nach der Lockdown-Phase angegangen. Denn klar ist: Das Leben unserer Community kann nicht auf Dauer nur rein digital stattfinden", sagt Marcel Brauman von der Domowina–Bund Lausitzer Sorben e.V.

Daher stellen sie Ehrenamtlichen einen Mund-Nasen-Schutz mit sorbischem Motiv zur Verfügung, der von einer sorbischen Trachtenschneiderin gefertigt wird. Ein gutes Omen für sie war, dass sie den 75. Jahrestag der Wiedergründung der Domowina nach dem Krieg am 10. Mai mit ihrer ersten öffentlichen Veranstaltung in der Corona-Zeit begehen konnten.

Der sorbische Dachverband beendete am 4. Mai die Homeoffice-Phase, allerdings erhielten Kolleginnen und Kollegen mit Kindern die Möglichkeit, weiterhin von zu Hause aus zu arbeiten, wenn aufgrund geschlossener Kindergärten und Schulen Betreuung zu Hause erforderlich ist.

Nach Ansicht von Brauman unterscheidet sich die Situation der Sorben im Vergleich zu der deutschen Mehrheitsbevölkerung, da mit dem Komplettausfall aller Veranstaltungen und Gesprächskreise viele sorbische Sprachräume weggefallen sind, was besonders hart Menschen trifft, die weder zu Hause noch am Arbeitsplatz Gelegenheit zum Sorbisch sprechen haben. Das betrifft auch den Schulunterricht - der Rat für Angelegenheiten der Sorben/Wenden in Brandenburg hat in diesen Tagen auf die Bedeutung des Präsenzunterrichtsbei der Sprachvermittlung hingewiesen.

"Dankenswerterweise gab es aber einen Boom kreativer Online-Angebote in sorbischer Sprache für alle Generationen. Wir haben dafür gesorgt, dass auch der traditionelle Wettbewerb ums schönste sorbische Osterei für Kinder und Jugendliche trotz Corona-bedingt geschlossener Annahmestellen stattfinden konnte", sagt der Pressesprecher der Domowina und fügt hinzu: "Auch wir als Dachverband haben uns digital entwickelt - Beteiligung per Skype für Einzelne kannten wir bei Sitzungen natürlich schon, nun haben wir Videokonferenzen für alle Teilnehmer eingeübt." 

Auf die Bitte, ein positives Beispiel aus dieser Zeit hervorzuheben, antwortete Herr Brauman, dass es zu viel Gutes gegeben hätte, um nur eines hervorzuheben. "Besonders beeindruckend war die Situation gerade rund um Ostern, das aufgrund der Pandemie-Bekämpfung in die Zeit der Kontaktsperren fiel, so dass vom Osterreiten bis zum Ostergesang nichts mehr übrig blieb. Umso toller war, wie die Leute vor Ort in gebührendem Abstand die Stimme erhoben, so dass Lieder der Osterreiter präsent waren. Auch die sorbischen Online-Gottesdienste der beiden großen Kirchen in dieser Zeit verdienen Erwähnung", fuhr er fort.

Wie auch in anderen Gegenden haben Jugendliche Einkaufshilfen für ältere Menschen aus der Nachbarschaft organisiert. Last but not least: Es gibt eine eigene Facebook-Gruppe "Pomoc w Serbach w časucorony (pytam / poskiću / trjebampomoc)" "Hilfe im sorbischen Land in der Coronazeit (Ich suche / biete / brauche Hilfe)".

Foto: Domowina-Vorsitzender Dawid Statnik an dem Hof in Crostwitz, wo am 10. Mai 1945 die Domowina wieder ins Leben gerufen wurde. Neben ihm die Regionalsprecherin Katharina Jurk.

Von März bis Juni 2020 hat die FUEN eine Umfrage mit dem Titel Do You Speak Corona? zur Situation der europäischen Minderheiten während der Pandemie durchgeführt. Der Online-Fragebogen konzentrierte sich auf die Verfügbarkeit von Informationen im Zusammenhang mit COVID-19 im Allgemeinen, auf Gesundheitsinformationen im Zusammenhang mit dem Ausbruch, auf das Vorhandensein einer in der Minderheitensprache betriebenen Notfall-Hotline und auf die Verfügbarkeit von Online-Unterricht in der Minderheitensprache. Der Kurzbericht über die Ergebnisse kann unter folgendem Link eingesehen werden, den gesamten Bericht im PDF-Format können Sie unter folgendem Link herunterladen.

Diese Reihe von Fallstudien ist die Fortsetzung des Projekts Do You Speak Corona?

 

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