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Sprechen Sie Corona? Organisationen der Westthrakientürken stellten Masken für Bedürftige her

Die Türkische Gemeinschaft West Thrakiens hat die Pandemiesituation recht gut gemeistert, erzählten die Vertreter des Akademikerverbandes der Minderheit von West-Thrakien und der Freundschaft, Gleichheit und Frieden Partei gegenüber der FUEN. Ihrer Meinung nach hängt dies vor allem mit den sehr effektiven und effizienten Maßnahmen zusammen, die der griechische Staat im ganzen Land ergriffenhat. Aus diesem Grund sei Griechenland eines der erfolgreichsten Länder der Welt im Umgang mit dem Coronavirus. Am 27. Mai 2020 lag die Zahl in Griechenland bei nur 2892 Fällen und 173 Todesfällen.

In West Thrakien in der Provinz Rhodopen, der am dichtesten von der türkischen Minderheit besiedelten Region, gibt es nur vereinzelte Fälle und insgesamt nur einen Todesfall. "In den letzten zwei Monaten mit der Pandemiesituation haben unsere Minderheitenangehörigen alle notwendigen Maßnahmen und Vorkehrungen, die der griechische Staat getroffen hat, umgesetzt und auch auf sich gegenseitig achtgegeben. Es gab keine signifikanten Unterschiede im Umgang mit der Situation zwischen der Minderheit und der Mehrheitsbevölkerung. Wir können sogar feststellen, dass Mitglieder der Minderheit vorsichtiger waren und die Maßnahmen hinsichtlich der Corona-Risiken befolgten", sagen die Organisationen.

Ein Problem im Zusammenhang mit dem Aufruf zum Gebet trat während der Osterzeit auf. Alle Kirchen und auch Moscheen waren bereits geschlossen und das Beten in ihnen war nicht erlaubt. Aber den Moscheen, für die ernannte Muftis zuständig sind, wurde sogar das Rezitieren von Azan, dem Gebetsruf, aus den Mikrophonen der Moscheen, untersagt. Die Moscheen, für die ernnante Muftis zuständig sind, welche von den Angehörigen der Minderheit akzeptiert werden, behielten ihreTätigkeiten bei und rezitierten fünfmal täglich Azan. Denn dies hatte nichts mit der Corona-Situation zu tun, es war nur ein Aufruf zum Gebet zu Hause, und da die Moscheen geschlossen blieben, bestand hier kein Gesundheitsrisiko.

Eine bemerkenswerte gute Praxis der Gemeinde Komotinikann hervorgehoben werden, wo die der Anteil an Minderheits- und Mehrheitsbevölkerung ausgewogen ist. Die Behörden machten mit ihren Fahrzeugen Ankündigungen und Warnungen in türkischer Sprache, wenn sie an den türkischen Stadtvierteln vorbeifuhren. Leider fand dieses gute Beispiel in Xanthi, einer anderen Stadt mit einer großen Minderheitenbevölkerung, keinen Anklang. 

In Griechenland wurden alle öffentlichen und Minderheitenschulen geschlossen. Ab dem 01. Juni 2020 eröffnete der griechische Staat wieder die Grundschulen zusammen mit den Minderheitenschulen im ganzen Land. Cafeterien und Restaurants wurden ebenfalls geöffnet, allerdings mit einigen Vorsichtsmaßnahmen. Diese Eröffnungen führten jedoch zu neuen Corona-Fällen, und die Zahl der Fälle begann im ganzen Land zu steigen. Die West Thrakien Türken sind von diesen Eröffnungen betroffen.

Die Minderheitengemeinschaft führte die Herstellung und Verteilung von vielen Tausenden von Schutzmasken an Menschen und Verbände durch. Aufgrund der hohen Nachfrage nach Masken, der hohen Preise und des knappen Angebots konnten die Menschen nicht einmal Masken finden. "In vielen Minderheitendörfern nähten und bereiteten die Frauen die Masken zu Hause vor. Wir glauben, dass diese Praxis den Menschen nicht nur wirtschaftlich, sondern auch im Hinblick auf die Probleme hinsichtlich der Verfügbarkeit von Masken geholfen hat. Als BTAYTD, DEB Partei und auch andere MinderheitenNGOs wie die Türkische Union von Xanthi und Türkische Jugend-Union Komotini, organisierten wir die Verteilung der Masken. Einige Masken wurden auch an Minderheitengemeinden und Ärztekammern verteilt" - teilten uns die Vertreter von BTAYTD und DEB Partei mit.

Eine weitere gute Praxis bestand darin, dass die ernannten Muftis (religiöse Führer) die Moscheen zum Beten schlossen und die Bevölkerung stets davor warnten, die Maßnahmen zu befolgen, insbesondere im Monat Ramadan, in dem hohe Risiken bestanden. Die ernannten Muftis von Komotini und Xanthi organisierten auch eine Hilfskampagne für die von der Coronavirus-Pandemie schwer getroffenen Menschen und leisteten großzügige Spenden.

Die BTAYTD und die DEB Partei veröffentlichten Bekanntmachungen für ihre Mitgliedern zu den Corona-Maßnahmen, und die BTAYTD spendete an eine regionale Ärztekammer.

Die Türkische Union von Xanthi organisierte eine Malaktion während des Lockdowns unter ihren jungen Studenten in ihren Malkursen und hat auch ein Lied über den Aufenthalt zu Hause gemacht.

Im April 2020 hat die FUEN eine Umfrage mit dem Titel „Do You Speak Corona? Sprechen Sie Corona?“ zur Situation der europäischen Minderheiten während der Pandemie durchgeführt. Der Online-Fragebogen fokussierte die Verfügbarkeit von Informationen im Zusammenhang mit COVID-19 im Allgemeinen, Informationen in Bezug auf gesundheitlichen Fragen im Zusammenhang mit dem Ausbruch, das Vorhandensein einer in der Minderheitensprache betriebenen Notfall-Hotline und die Verfügbarkeit von Online-Unterricht in der Minderheitensprache. Der Kurzbericht über die Ergebnisse kann unter folgendem Link eingesehen werden, den gesamten Bericht im PDF-Format  können Sie unter folgendem Link herunterladen.

Die Fallstudien-Reihe  ist die Fortsetzung des „Do You Speak Corona? Sprechen Sie Corona?“ Projekts.

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