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Sprechen Sie Corona? Die Rechte der West-Thrakien Türken in Griechenland wurden während der Pandemie-Zeit willkürlich eingeschränkt

In West-Thrakien, Griechenland, wo ca. 150.000 Türken an der Grenze zu Bulgarien und der Türkei leben, werden während der COVID-19-Pandemie schwierige Zeiten erlebt. In der Region West-Thrakien, die aus den drei Provinzen Rodopi (Rodop), Xanthi (İskeçe) und Evros (Meriç) besteht, gehört Xanthi, wo die Türken fast die Hälfte der Bevölkerung bildet, der Bevölkerungsdichte entsprechend zu den ersten fünf Provinzen, die von COVID-19-Pandemie stark betroffen ist. Aufgrund der diskriminierenden Sprache, die in den Medien und der Politik gegen die türkische Gemeinschaft in West-Thrakien verwendet wird, wird die türkische Gemeinschaft zum Sündenbock des Virus gestempelt.

In Griechenland erkennt die Regierung die ethnisch türkische Identität der türkischen Gemeinschaft in West-Thrakien nicht an. Obwohl es in den zweisprachigen Schulen der West-Thrakien Türken sowohl auf Türkisch als auch auf Griechisch unterrichtet wird, ist die Verwendung der türkischen Sprache im öffentlichen Leben nicht gestattet. Daher hat die Regierung keine Informationen in türkischer Sprache zur Bekämpfung des Virus auf lokaler Ebene zur Verfügung gestellt, obwohl die türkische Gemeinschaft die Mehrheit in der Provinz Rodopi (Rodop) bildet. Während in der ersten Phase der Pandemie die Namen der Orte, in denen die Menschen an den Folgen des Virus starben, nicht bekannt gegeben wurden, wurde die Information, dass ein 70-jähriger Türke im Dorf Echinos (Şahin), dessen Bevölkerung ausschließlich aus Türken besteht und zu der Gemeinde Myki (Mustafçova) gehört, als 21. Person an den Folgen der Pandemie gestorben ist, mit all seinen persönlichen Daten mit der Öffentlichkeit geteilt. Später wurde Echinos (Şahin) in Xanthi (İskeçe) bis zum 4. Mai, an dem die ergriffenen Maßnahmen wegen der Pandemie gelockert wurden, 21 Tage unter Quarantäne gestellt. Auch die zur Gemeinde Myki (Mustafçova) gehörenden Dörfer Zoumpouli (Zümbülmahalle) und Arnaouti (Arnavutmahalle) wurden 14 Tage lang isoliert.

Während es in den frühen Tagen der Pandemie nicht bekannt gegeben wurde, aus welchen Gebieten die ersten festgestellten vier Korona-Fälle in Xanthi (İskeçe) stammen, schürte die Bekanntmachung des fünften Korona-Falls aus dem Dorf Echinos (Şahin) den Hass in der Öffentlichkeit. Nachdem das Dorf Echinos (Şahin) am 23. März 2020 unter Quarantäne gestellt wurde, twitterte der rechtsextremer Präsident der politischen Partei „Griechische Lösung (Elliniki Lysi)“ Kyriakos Velopoulos „Echinos (Şahin) steht unter Quarantäne!!! Dort leben Ankaras Spione, die immer wieder in die Türkei reisen und zurückkommen! Denken Sie darüber nach, was gerade in Erdoğans Türkei los ist!“ und machte die türkische Gemeinschaft in West-Thrakien zur offenen Zielscheibe.

Nach dem Normalisierungsprozess in dem Land, der am 4. Mai eingetreten ist, zog Xanthi (İskeçe) wieder die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, da sich im Juni die Zahl der festgestellten Korona-Fälle im ganzen Land erhöhte und in Xanthi eine relativ hohe Zunahme der Fälle beobachtet wurde. Denn es wurde am 10. Juni beschlossen, vier Grundschulen innerhalb der Gemeinde Xanthi (İskeçe) zu schließen, nachdem ein an diesen Schulen arbeitender Lehrer positiv auf Koronavirus getestet wurde. Mit der Aufhebung der Maßnahmen im Land gibt die Zunahme der Korona-Fälle Anlass zur Sorge. Der stellvertretende Innenminister für Mazedonien und Thrakien Theodoros Karaoglou sagte, dass im Rahmen der Bekämpfung der Pandemie gegebenenfalls auf lokaler Ebene in Xanthi (İskeçe) Maßnahmen ergriffen werden könnten. Während all dies geschieht, wurden keine Informationen in türkischer Sprache geliefert, obwohl die West-Thrakien Türken fast die Hälfte der Bevölkerung von Xanthi (İskeçe) und die gesamte Bevölkerung einer Gemeinde bildet.

Andererseits begann in der letzten Aprilwoche, in der die strengen Maßnahmen im Land infolge der Pandemie andauerten, der gesegnete Monat Ramadan, der für die muslimische West-Thrakien Türken heilig ist. Da wegen der Pandemie jegliche Massengottesdienste im Land verboten wurden, gab es in den Moscheen der türkischen Gemeinschaft in West-Thrakien kein kollektives Beten, und die Menschen konnten nicht gemeinsam an Tischen fürs Fastenbrechen (Iftar) sitzen, das ein Teil der Ramadan-Traditionen ist. Dies war natürlich eine notwendige Maßnahme zur Bekämpfung der Pandemie.

Zusätzlich zu der Angst und Besorgnis, die durch die Bekämpfung der Pandemie entstanden sind, lösten die Versuche, die Rechte der türkischen Gemeinschaft in West-Thrakien willkürlich einzuschränken, Unbehagen innerhalb der Gemeinschaft aus. Obwohl die erforderlichen Genehmigungen zum Spielen der Ramadan-Trommel, eine jahrhundertealte Tradition in West-Thrakien, bei den betreffenden Kommunen bereits eingeholt wurden, wurde versucht, das Spielen der Ramadan-Trommel in den Dörfern Topiros (İnhanlı) und Lefkopetra (Sakarkaya) zu verhindern. Trotz der Tatsache, dass die Massengottesdienste im Land verboten sind, wurde der Imam der Moschee im türkischen Dorf Hloi (Hebilköy) anhand eines alten Videos in den sozialen Medien aufgefordert, bei der Polizei auszusagen. Während all dies geschah und obwohl der Lausanner Vertrag die Religionsautonomie der türkischen Gemeinschaft garantiert, wurde die Intervention des Staates in diesem speziellen Bereich fortgesetzt. Obwohl die Imame von der Gemeinde des betreffenden Dorfes bestimmt und ihre Gehälter von der Gemeinde bezahlt werden, ernannte der von der Regierung berufene stellvertretende Mufti in der Provinz Rodopi (Rodop), der von der türkischen Gemeinschaft nicht anerkannt wird, neue Imame für die Moschee im Stadtviertel Adrianopoleos (Harmanlık) in Komotini (Gümülcine) und Hamidiye-Moschee in Sapes (Şapçı). stießen diese Ernennungen in der türkischen Gemeinschaft in West-Thrakien auf heftige Kritik. Die ganze Situation bereitete der türkischen Gemeinschaft in West-Thrakien Sorgen, die gerade wegen der Pandemie eine sehr schwierige Zeit erlebt. Denn diese Zeiten, in denen aufgrund der Pandemie alle zu Hause eingesperrt waren, als Gelegenheit ausgenutzt, durch willkürliche Praktiken die religiösen Rechte der türkischen Gemeinschaft einzuschränken.

Einige willkürliche Praktiken in diesen kritischen Zeiten wie die Verringerung der Lautstärke von Adhan, und das Verbot des Spielens der traditionellen Ramadan-Trommel, obwohl diese nichts mit der Pandemie zu tun haben, und einen Eingriff in die Rechte und Werte der türkischen Gemeinschaft in West-Thrakien bedeuten, untergraben zutiefst das Vertrauen der türkischen Gemeinschaft in den Staat und die Regierung.

Von März bis Juni 2020 hat die FUEN eine Umfrage mit dem Titel Do You Speak Corona? zur Situation der europäischen Minderheiten während der Pandemie durchgeführt. Der Online-Fragebogen konzentrierte sich auf die Verfügbarkeit von Informationen im Zusammenhang mit COVID-19 im Allgemeinen, auf Gesundheitsinformationen im Zusammenhang mit dem Ausbruch, auf das Vorhandensein einer in der Minderheitensprache betriebenen Notfall-Hotline und auf die Verfügbarkeit von Online-Unterricht in der Minderheitensprache. Der Kurzbericht über die Ergebnisse kann unter folgendem Link eingesehen werden, den gesamten Bericht im PDF-Format  können Sie unter folgendem Link herunterladen.

Diese Reihe von Fallstudien ist die Fortsetzung des Projekts Do You Speak Corona?

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