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Sprechen Sie Corona? Aktualisierter Bericht zur Umfrage unter 43 Minderheitengemeinschaften in 25 europäischen Ländern

Die FUEN hat zwischen März und Juni 2020 eine Umfrage durchgeführt, um zu analysieren, inwieweit die Kommunikation in Minderheitensprachen durch verschiedene Akteure in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union sowie unter den Mitgliedern der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) gewährleistet ist. Der Online-Fragebogen konzentrierte sich auf die Verfügbarkeit von allgemeinensowie gesundheitsbezogenen Informationen im Zusammenhang mit der COVID-19 Pandemie, auf das Vorhandensein einer Notruf-Hotline, die in der Minderheitensprache betrieben wird, und auf die Verfügbarkeit von Online-Unterricht in der Muttersprache.

Detailed report (English, PDF, 12 MB)

Die Umfrage wurde unter 43 Minderheitengemeinschaften und Sprachgruppen in 25 europäischen Ländern durchgeführt:

An der Umfrage haben 43 Minderheitengemeinschaften in 25 europäischen Ländern teilgenommen.

 

-Albanien: Mazedonier;

- Aserbaidschan: Türken;

-Bulgarien: Aromunen;

- Dänemark: Deutsche;

- Deutschland: Dänen, Friesen;

- Estland: Deutsche; Russen;

-Finnland: Schweden;

- Frankreich: Elsässer, Basken, Bretonen;

- Griechenland: Pomaken, Türken;

- Italien: Kroaten, Ladiner, Slowenen;

- Kroatien: Tschechen, Ungarn, Serben;

-Lettland: Russen;

- Niederlande: Friesen;

- Österreich: Slowenen;

- Polen: Deutsche, Kaschuben;

- Rumänien: Aromunen, Ungarn, Tschechen und Slowaken (zusammen);

- Russland: Lesgier;

-Schweden: Finnen,Meänkieli, Schonen;

- Slowakei: Deutsche, Ungarn;

-Slowenien: Ungarn;

- Spanien: Basken, Katalanen;

-Tschechische Republik: Polen;

- Ukraine: Griechen/Rumäen und Aramänen, Ungarn.

- Ungarisch: Slowaken;

-Vereinigtes Königreich: Waliser.

 

Die von der FUEN erstellten Fallstudien wurden ebenso in dem Bericht berücksichtigt.

 

Die Verfügbarkeit von Informationen in der Muttersprache ist von entscheidender Bedeutung, wenn wir von den Menschen erwarten, dass sie bestimmte Regeln befolgen und sich so verhalten, dass die Verbreitung des Virus eingedämmt wird. Bestimmte Terminologie, wie z.B. die Abflachung der Kurve, kann in einer anderen Sprache schwer verständlich sein und letztlich sich auf das Ziel auswirken, das wir uns alle gesetzt haben: den auf unserem Gesundheitssystem lastenden Druck zu verringern, während wir gleichzeitig dem Ausbruch entgegenwirken. Dies gilt insbesondere für jene marginalisierten Gemeinschaften, die keinen Zugang zu Kommunikationsmitteln haben, nicht lesen und schreiben können oder einfach nicht die Sprache der Mehrheitsgesellschaft sprechen, in der sie leben.

Wichtige allgemeine Informationen zu COVID-19 sind in der Muttersprache von Minderheitengemeinschaften und Sprachgruppen in etwas mehr als einem Drittel - 34,9% - der Fälle verfügbar. 20,9 % erhalten teilweise Informationen, während 44,2 % nicht in ihrer Muttersprache kommunizieren. Dort, wo solche Informationen zumindest teilweise vorliegen, sind es meist die Regierungen der Staaten und Regionen, die diese Informationen bereitstellen. Minderheitenorganisationen und die Minderheitenpresse sind jedoch ebenso wichtig, um sicherzustellen, dass Informationen zu COVID-19 Minderheitengemeinschaften und Sprachgruppen erreichen.

Die Verfügbarkeit von gesundheitsbezogenen Informationen ist auch von entscheidender Bedeutung, um das Gefühl der Ausgrenzung von Minderheiten und Sprachgruppen zu verringern und sicherzustellen, dass die Menschen im Bedarfsfall medizinische Hilfe suchen. Ähnlich wie bei den allgemeinen COVID-19-bezogenen Informationen sind wichtige gesundheitsbezogene Informationen in Minderheitensprachen in etwas mehr als einem Drittel der Fälle (35%) verfügbar. In 25,5% der Fälle sind nur teilweise Informationen verfügbar, während 39,5% in ihrer Muttersprache keinen Zugang zu den gesundheitsbezogenen Informationen zu den Aspekten des Coronavirus-Ausbruchs haben. Bei den gesundheitsbezogenen Informationen sind die lokalen und regionalen Regierungen aktiver.

Bei den Notruf-Hotlines gingen in einigen Ländern vermehrt Anrufe im Zusammenhang mit dem Coronavirus-Ausbruch ein, in einigen Ländern sogar noch bevor die ersten Fälle auftraten. Um dieses Problem einzudämmen, haben viele Länder entweder die Kapazität der Hotlines erhöht oder spezielle Leitungen nur für Notfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus eingerichtet. Die Verfügbarkeit der Notfruf-Hotlines in Minderheitensprachen blieb jedoch begrenzt, da 69,8% der Fälle keinen Zugang zu diesen Hotlines haben. Nur in 20,9% der Fälle wurden Hotlines eingerichtet, und in 9,3% der Fälle haben Minderheitengemeinschaften oder Sprachgruppen teilweisen Zugang zu muttersprachlichen Notfalleinrichtungen, falls ein Notfall im Zusammenhang mit dem COVID-19-Virus eintreten sollte.

Der Zugang zu Bildung ist ein grundlegendes Menschenrecht, und alle Kinder sollten davon profitieren. Ob Online-Unterricht in der Muttersprache organisiert werden kann oder nicht, war ein weiterer wichtiger Aspekt unserer Umfrage. In 22 Fällen, d.h. in 51,2% aller analysierten Fälle, wurde während des Coronavirus-Ausbruchs Online-Unterricht in der Muttersprache organisiert. In weiteren 8 Fällen, d.h. 18,6%, war der Online-Unterricht in der Muttersprache zumindest teilweise verfügbar, während in 10 Fällen, d.h. 23,3%, kein Zugang zum Online-Unterricht gewährleistet wurde. In 3 Fällen, d.h. 6,9%, war der Unterricht in der Muttersprache auch vor dem Coronavirus-Ausbruch nicht verfügbar.

Der Bericht enthält auch eine Reihe von Empfehlungen:

"Nur in der Hälfte der erhobenen Fälle geben die Verantwortlichen zumindest teilweise Auskunft in der Muttersprache der Minderheitengemeinschaften. Die Staaten sollten sich verpflichten, diese Informationen zur Verfügung zu stellen, um Minderheitengemeinschaften mit korrektem Sprachgebrauch und über geeignete Kanäle zu erreichen.

Die Möglichkeit, in einem lebensbedrohlichen Notfall in der Muttersprache um Hilfe bitten zu können, könnte Leben retten. Wir empfehlen, für diese Notruf-Hotlines Personen zu engagieren, die die Sprache der Minderheiten in dem jeweiligen Land sprechen.

Online-Unterricht ist von den 40 Minderheitengemeinschaften, die auch vor dem Ausbruch von muttersprachlichem Unterricht profitierten, nur für 30 der befragten Minderheiten verfügbar. Insgesamt sollte mehr Gewicht auf die Digitalisierung der Bildung gelegt werden, aber die Minderheitengemeinschaften müssen in diesen Prozess einbezogen werden".

Die Umfrage wurde von der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) mitUnterstützung von derInterfraktionellenArbeitsgruppe für Traditionelle Minderheiten, Nationale Gemeinschaften und Sprachen des Europäischen Parlaments durchgeführt.

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