Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten
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Forum der europäischen Minderheitenregionen in Helsinki startet mit Appell: „Sprachminderheiten einen neuen Stellenwert einräumen“

Hoher Norden, große europäische Bühne: Am heutigen Nachmittag wurde das fünfte Forum der europäischen Minderheitenregionen in Helsinki/Helsingfors, Finnland, offiziell eröffnet.

Die von der FUEN (Föderalistische Union europäischer Nationalitäten) in Kooperation mit dem finnlandschwedischen Folktinget organisierte Veranstaltung mit rund 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus mehr als 30 europäischen Ländern steht unter dem Motto „Nordische Vielfalt – eine Formel für Wirtschaftswachstum?"

In ihren Eröffnungsreden gingen die Rednerinnen und Redner auf verschiedene Aspekte der nordischen Zusammenarbeit ein. Gunvor Kronman, Geschäftsführerin des schwedisch-finnischen Kulturzentrums  Hanaholmen, dem Tagungsort des Forums, wies darauf hin, „das Potential der Vernetzung auszuschöpfen und damit nie aufzuhören“. Auch die nordische Region sei bestrebt, ihre Politik ständig zu aktualisieren, um die Integration weiter zu vertiefen – auch im Hinblick auf den Handel: Schließlich sei es viel einfacher, etwas zu verkaufen, wenn man die Sprache des Kunden spricht.

FUEN-Präsident MdEP Loránt Vincze sagte in seiner Eröffnungsrede, er sei froh, dass er an dieser Diskussion teilnehmen könne, bei der es nicht nur um Worte, sondern um konkrete Taten und greifbare Ergebnisse der grenzüberschreitenden und regionalen Zusammenarbeit gehe, die auch sprachliche Minderheiten einschließe. Er wies darauf hin, dass diese Region unter dem Gesichtspunkt des Minderheitenschutzes von großer Bedeutung ist und die Ergebnisse „uns und der ganzen Welt zeigen, dass das Erlernen der Sprache des anderen keine Last, sondern ein Gewinn ist. Wir müssen den Sprachminderheiten einen neuen Stellenwert einräumen, der unmittelbar zum künftigen Wohlstand Europas als Ganzes beiträgt", sagte er.

Seiner Ansicht nach versucht die EU, sich neu zu definieren, und dies bietet eine neue Gelegenheit, die Beziehungen zwischen Mehrheiten und Minderheiten wiederherzustellen. Eines der Elemente, für die sich die FUEN in dieser Debatte über die Zukunft Europas einsetze, sei die grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

Sandra Bergqvist, Präsidentin des Folktinget, dem schwedischsprachigen Parlament in Finnland, ging auf die Bedeutung der Kommunikation in der Muttersprache ein. „Die Muttersprache gibt uns die Möglichkeit, zu nuancieren.“ Als Immigrationsland seien in Finnland historisch bedingt immer verschiedene Kulturen und Sprachen repräsentiert gewesen, weshalb auch linguistische Minderheiten Teil der Kultur des Landes sind. „Dennoch müssen wir weiter daran arbeiten, diese als Stärken hervorzuheben.“ Bergqvist und das Folktinget setzen sich dafür ein, die schwedische Sprache als Erfolgsfaktor für Finnland herauszustellen und ihre Stellung zu stärken.

Die große Vision der nordischen Länder präsentierte Thomas Blomqvist, Minister für Geschlechtergleichstellung und Nordische Zusammenarbeit im finnischen Parlament: „Der Norden soll die nachhaltigste und bestintegrierte Region der Welt bis 2030 werden.“ Daran arbeiten nicht nur die fünf nordischen Staaten, sondern auch die autonomen Regionen der Färöer, Grönland und Åland.

„Ja, nordische Diversität ist ein Faktor für Wirtschaftswachstum“, beantwortete die finnische Justizministerin Anna-Maja Henriksson, Justizministerin, die Leitfrage und wies darauf hin, dass die nordischen Länder gemeinsam ein wichtiger Player in der Weltwirtschaft seien und man schon deshalb die Zusammenarbeit weiter vertiefen werde. „Was die sprachlichen Rechte angeht gilt Finnland zwar als globales Vorbild, aber in der Praxis wird es nicht immer ideal umgesetzt.“ Deshalb arbeite man aktuell an einer neuen Nationalsprachenstrategie, in der das Recht auf Dienstleistungen in der Muttersprache enthalten sein soll.

Schließlich betonte Bertel Haarder, Vorsitzender des Nordischen Rats und Mitglied des dänischen Parlaments: „Minderheiten sollten immer als Reichtümer und nie als Probleme angesehen werden.“ Als Erfolgsbeispiel für grenzüberschreitende Kooperation führte er das deutsch-dänische Grenzland an.

Hintergrund: Das „Forum der europäischen Minderheitenregionen“ wurde von der FUEN (Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten) als Ort der Zusammenarbeit und der Netzwerkbildung ins Leben gerufen. Die Ziele: das politische Gewicht der einzelnen Regionen zu erhöhen und durch ein geeintes Auftreten einen stärkeren Einfluss auf die europäische Politik zu nehmen. Darüber hinaus bietet das Forum einen Raum für den Austausch und die Analyse des Status quo in Bezug auf Minderheitenrechte und das Lernen von best-practice-Beispielen.

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